Das Schwarze Bilsenkraut

Werbung

Hyoscyamus niger (giftig)

Teufelsauge, Prophetenkraut, Saukraut, Teufelswurz

 


Das Lila im Innern ist besonders kurz nach dem ersten Öffnen der Blüte gut zu erkennen.

Das Lila im Innern ist besonders kurz nach dem ersten Öffnen der Blüte gut zu erkennen.

Allgemeines

Das wunderschöne, krautige Bilsenkraut erreicht eine Höhe von 60 cm. Es blüht von Juni bis Oktober. Ihre Blüten sind weiß bis gelblich beige und von feinen, dunklen Äderchen durchzogen. In ihrem Innern hat sie ein dunkles violettes bis schwarzes ‚Auge‘.

Der Stängel ist klebrig durch die daran befindlichen Drüsenhaare. Auch die Blätter sind behaart. Durch diese Drüsenhaare riecht es unangenehm.

Werbung

Es heißt das Bilsenkraut bilde im ersten Jahr eine Blattrosette und im zweiten dann blüht sie und bildet Früchte.
Die einjährige Pflanze besitzt meist keinen purpurnen Blütenfarbstoff.

 

Ich hatte das große Glück, dass mein einjähriges Bilsenkraut sehr wohl purpurne Äderchen hatte und bin sehr froh darüber. Es verleiht der Blüte ein besonderes Aussehen.

Verwendung

Die Kelten nahmen es zum Räuchern. Im 9. Jahrhundert sollte ein nacktes Mädchen das Bilsenkraut mit der rechten Hand pflücken. Anschließend musste sie es sich an den rechten kleinen Zeh binden. Danach ging sie zum Bach und goss dessen Wasser über sich. Dieses sollte nach ihrer Heimkehr zu Regen führen..

Volksheilkunde

Hier diente das Schwarze Bilsenkraut, trotz seiner Giftigkeit, äußerlich aufgelegt zur Ausnüchterung Betrunkener und als schmerzlindernd. Innerlich galt es als beruhigend, narkotisierend und gegen Atemnot.
Man nahm es wie Opium zur Schmerzlinderung von
Rheuma und Zahnschmerzen. Die Öle aus den Samen waren zur Bekämpfung von bösen Geschwülsten und Geschwüren.
Sogar geraucht hat man es. Denn die krampflösenden Eigenschaften schienen bei Asthma gute Dienste zu leisten. Jedoch war die Gefahr sich zu vergiften doch zu groß geworden und man ließ es sein.

Heute finden sich die Inhaltsstoffe des Bilsenkrauts zum Teil in Fertigpräparaten mit ähnlichen Wirkungen.

Das Schwarze Bilsenkraut wurde im Altertum berauschenden Getränken wie Bier, Wein und Met zugesetzt. Neben dem Alkoholgehalt, hat das Kraut selbst natürlich für den Rausch gesorgt.
Dies gilt nur zur Veranschaulichung wie es damals gemacht wurde. Nicht zum Nachmachen geeignet. Das Bilsenkraut gilt als giftig und sollte niemals verwendet werden.

 

Traditionelles Rezept nach Christian Rätsch
Bilsenkraut Bier
  • 40 g getrocknetes Bilsenkraut
  • 5 g Gagel
  • 1,2 kg Gerstenmalz
  • 900 g Fichtenhonig
  • 5 g Hefe
  • 100 g brauner Zucker
  • 23 l Wasser

Alles wird vermischt und gekocht, anschließend in ein Fass umgeschöpft. Darin gärt es bei durchschnittlich 25° Celsius ca. fünf Tage lang. Schließlich wird es in Flaschen abgefüllt und zum Nachgären ein weiterer Löffel Zucker hinzugegeben.

 

Das Bilsenkraut in voller Blüte.

Bilsenkraut-Blüte

 

Außerdem heißt es, das Bilsenkraut sei, neben Alraune, StechapfelNachtschatten und Tollkirsche, Bestandteil der Hexensalben gewesen. Mit welchen sie sich einrieben und ihre Flüge und Exzesse erlebten. Diese Wirkung ist auf die halluzinogenen Stoffe der Pflanze zurückzuführen, mit denen die ‚Hexen‘ das ‚Gefühl‘ hatten zu fliegen und zu tanzen bis hin zu realitätsnahen erotischen Träumen.

Doch Vorsicht! Wie auch bei dem Bierrezept darf man keine Experimente an sich oder anderen mit giftigen Pflanzen durchführen.

 

Bei einer Vergiftung durch das Schwarze Bilsenkraut kommt es zu folgenden Vergiftungserscheinungen:

trockener Mund, Unruhe, Atemlähmung, Verwirrtheit, Pupillenerweiterung, Herzrhythmusstörungen, Müdigkeit, komatöse Zustände, Halluzinationen, Bewusstlosigkeit.

Gedächtnisverlust und Verhaltensstörungen aufgrund der Wirkung des Giftes an den Gehirnzellen können ebenfalls eintreten.

Das wichtigste zusammengefasst:
  • Lebensdauer: ein- bis zweijährig
  • Standort: sonnig bis halbschattig, normal wässern
  • Winterhart?: Nein
  • Größe / Höhe: 60 cm
  • Blüte: beige durchzogen von feinen rötlichen Adern, Juni – Oktober
  • Hauptinhaltsstoff: Hyoscyamin, Scopolamin
  • Vermehrung: Samen
  • Gesundheit: schmerzlindernd, beruhigend, narkotisierend, entspannend, abschwellend, betäubend, halluzinogen, krampflösend

 

All die Angaben und Ratschläge ersetzen niemals den Besuch beim Arzt! In jedem Fall ist ein Vorsprechen bei diesem notwendig!